Pflanzenfamilie:
Korbblütler = Asteraceae

Volkstümliche Namen:
Blaue Distel, wilder Endifi, Hartmann, Hasenmilch, rauher Heinrich, Hundsläufte, Irenhart, Kaffeekraut, Sonnendraht, Sonnenwirbel, Arme-Sünder-Blume, Wasserwart, Wegleuchte, Zichori, Zigeunerblume, Zigori, Blattzichorie, Catalogna, Hansl am Weg, Hindlauf, Hindläufte, Rattenwurz, Sonnenbraut, Sonnenwedel, Verwünschte Jungfrau, Wilde Endivie

Vorkommen:
Heimisch ist die Gemeine Wegwarte vor allem in Europa, Westasien und Nordwestafrika. Sie wächst mit ihren himmelblauen Blüten bevorzugt an Wegrändern. Auch an anderen unbebauten Stellen, an Ackerrändern und Bahndämmen findet man sie oft.

Inhaltsstoffe:
Inulin, Bitterstoffe, Intybin, Zucker, Harz, Kalisalze, Cichoriin, Gerbsäure, ätherisches Öl, Mannan, Petein, Lacoulin

Blütezeit:
blüht lange bis in den Herbst hinein. An einer Pflanze blühen immer nur ein paar Köpfchen.

Erntezeit:
Wurzel März bis April und Oktober und November,
Kraut: Juni bis Sepember,
Blüten: Juli bis September

Verwendete Pflanzenteile:
Wurzel, Blätter, Blüten

Wirkung:
adstringierend, anregend, blutreinigend, choleretisch, entzündungshemmend, entschleimend

Hauptanwendung:
Leberschwäche, Verdauungsschwäche

Anwendung:
Appetitanregung, Gallensteine, Gallenschwäche, Verdauungsschwäche, Verstopfung, Blähungen, Leberprobleme, Leberschwellung, Milzschwellung, Hämorrhoiden, Nerven, Fieber, Stoffwechselschwäche, Diabetes, Krampfadern, Kopfschmerzen, Hautunreinheiten, Haarausfall, Gebärmutterschwäche, Afterjucken

Nebenwirkung:
In seltenen Fällen können allergische Hautreaktionen auftreten

Wechselwirkungen:
Keine bekannt

Achtung!:
Allergie gegenüber Wegwarte und anderen Korbblütler. Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit einem Arzt anzuwenden

Tagesdosis:
Mittlere Anwendung: 3g Droge

Innerlich als Tee:
1 EL mit 3 dl Wasser aufkochen, 5 Min. ziehen lassen, abseihen.
3x täglich, gegen Verdauungsprobleme

Äusserlich:
Entsprechende Hautstellen mit Blätter einreiben

Als Tinktur:
gegen Verdaunngsprobleme, sehr bitter.
Beispiel Urtinktur der Firma Ceres. Bei Bedarf oder vor dem Essen 2- 3 Tropfen in etwas Wasser einnehmen

Geschichte und Brauchtum:
Im Altertum und Mittelalter war die Wegwarte als Zauberkraut bekannt. Als solche war sie sehr wertvoll.
Auch als Kaffeeersatz spielt sie eine wichtige Rolle

Andere Anwendungen:

Bachblüte:
Die Wegwarte ist unter dem Namen "Chicory" bekannt

Homöopathie:
Cichorium intybus, die frischen, unterirdischen Teile. Gegen Erkrankungen der Leber, der Galle und der Bauchspeicheldrüse

Aufgrund des hohen Inulingehaltes ist die Wegwartenwurzel auch als Nahrungsergänzung für Diabetiker geeignet.

Rezepte

In der Heilkunde:

Zichorienkaffee
Beliebt und verdauungsfördernd ist der Zichorienkaffee, der vor allem in Zeiten mit schlechter Kaffeeversorgung verbreitet war.

  • Für die Herstellung des Zichorienkaffees schneidet man die Wurzel in kleine Stücke und trocknet sie.
  • Anschliessend werden sie langsam ohne Fettzugabe geröstet.
  • Die gerösteten Wurzelstücke werden gemahlen.
  • Das fertige Zichorienkaffee-Pulver kann man aufbrühen wie Bohnenkaffee.
  • Das Aroma des Getränks erinnert schwach an Kaffee.

Leber-Galle-Milz-Tee

  • 50 g Wegwartewurzeln (Radix Chichorii)
  • 30 g Löwenzahnwurzeln (Radix Taraxaci)
  • 30 g Mariendistelsamen (Fructus Carcui Mariae)

Die Kräuter zu gleichen Teilen mischen. Ein TL Tee auf eine Tasse Wasser kalt ansetzen und fünf Minuten kochen lassen. 2-3 Tassen täglich - bitter, aber wohltuend.

Nimmerweh-Teemischung

  • 20 g Wegwartenblüten
  • 20 g Blaue Malvenblüten
  • 10 g Veilchenblüten
  • 10 g Borretschblüten

Ein stimmungsaufhellender Tee
Einen gehäuften Teelöffel mit einer Tasse kochendem Wasser übergiessen (in einem Glasgefäss, dann kann man die schöne Blaufärbung beobachten).
Rezepte aus: Susanne Fischer-Rizzi, Medizin der Erde.

In der Küche:

Als Zuchtform ist der Salat-Chicoree (var. foliosum) bekannt, der als Wintergemüse geschätzt wird. Hierfür werden nur die grundständigen Rosettenblätter des ersten Jahres geerntet, weil sie weniger Bitterstoffe haben

Chicorée im Nussmantel an Käsesauce
Für 4 Personen

Chicorée:

  • 2 l Wasser
  • 1 Zitrone, Saft
  • 4 mittelgrosse Chicorées, längs halbiert, Strunk herausgeschnitten
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • Mehl zum Wenden
  • 1 Ei, verquirlt
  • 100 g Baumnüsse, fein gehackt oder gemahlen
  • 4 EL Paniermehl
  • Bratbutter oder Bratcrème

Sauce:

  • 2,5 dl QimiQ
  • 100 g Schweizer Blauschimmelkäse
  • einige Tropfen Zitronensaft
  • 2 EL Petersilie, fein gehackt
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • Petersilie, Baumnüsse und rohe Chicorée- Blattspitzen zum Garnieren

Für den Chicorée Wasser und Zitronensaft aufkochen. Chicorée zugeben, 8-10 Minuten knackig garen, herausnehmen, abtropfen lassen, würzen.
Portionenweise in Mehl, in Ei und dann in Nuss-Paniermehl-Mischung wenden. In Bratbutter oder -crème beidseitig je 3 Minuten braten, unbedeckt warm stellen.
Für die Sauce QimiQ, Blauschimmelkäse und Zitronensaft bei kleiner Hitze schmelzen, evtl. mit wenig Wasser verdünnen. Petersilie darunter mischen, würzen.
Chicorées mit Sauce auf vorgewärmten Tellern anrichten, garnieren