Pflanzenfamilie:
Asteraceae (Korbblütler)

Volkstümliche Namen:
Chrotebösche, Ackerzichorie, Butterblume, Kettenblume, Kuhblume, Maiblume, Pfaffendistel, Pfaffenöhrlein, Pferdeblume, Pusteblume, Sonnenwirbel, Wiesenlattich, Pissblume, Saublume… es gibt über 500 deutsche Namen!

Vorkommen:
Er ist ein Kosmopolit, das heisst, er wächst auf der ganzen Erde

Inhaltsstoffe:
Bitterstoffe, Triterpene, Phytosterine, Flavanoide, Mineralstoffe, Vitamine. Wurzeln beinhalten zusätzlich Inulin

Blütezeit:
April- Mai

Erntezeit:
Das Ausstechen der Wurzeln und das Sammeln der Blattrosette und Blütenköpfe erfolgt von April bis Mai. Auch im September und Oktober gegrabene Wurzeln sind wirksam (enthalten mehr Inulin)

Verwendete Pflanzenteile:
Wurzeln, Blattrosette, Blüte

Wirkung:
blutbildend, blutreinigend, harntreibend, verdauungsfördernd, appetitanregend, gallensekretionsfördernd, stoffwechselfördernd, antibakteriell, entzündungshemmend

Hauptanwendung:
Verdauungsbeschwerden, Harnverhalten, Wundbehandlung

Anwendung:
Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, Aufstoßen, Sodbrennen, retrosternalen Schmerz, Blähungen und vorzeitiges Sättigungsgefühl Appetitlosigkeit, Störung des Gallenflusses, zur Anregung der Diurese (harntreibend), wunde und juckende Haut, Insektenstiche, Akne, Ekzem, Hühneraugen, Warzen, Rheuma, Gicht, chronische Gelenkserkrankung, Arteriosklerose

Nebenwirkung:
Der milchige Saft kann zu Übelkeit führen

Wechselwirkungen:
keine bekannt

Achtung!:
Nicht bei Verschluss der Gallenwege, keine Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit

Tagesdosis:
bei Aufgüssen etwa 1 EL der geschnittenen Droge auf 1 Tasse Wasser und bei Tinkturen 3 Mal täglich 10-15 Tropfen.

Innerlich als Tee:
1-3 g der fein geschnittenen Blätter (1 Teelöffel entspricht etwa 1,2 g) mit kaltem Wasser ansetzen, aufkochen und 10 Minuten ziehen lassen, danach abseihen. Bei Verdauungsbeschwerden jeweils morgens und abends eine Tasse des warmen Tees trinken.

Äusserlich:
Aufguss mit 3-4 g getrockneter Blätter mit einer Tasse Wasser versetzen, aufkochen und 10Min ziehen lassen, abseihen und abkühlen lassen.
Da der Löwenzahn antibakterielle und damit entzündungshemmende Eigenschaften aufweist, kann er zur Behandlung und zur Heilung von Wunden genutzt werden und Infektionen verhindern.
Auch Schmerzen und/oder Juckreiz aufgrund von Insektenstichen oder –bissen können durch das Auftragen des Pflanzensaftes aus dem Stängel oder der Wurzel des Löwenzahns gelindert werden.
Falls der Stängelsaft nicht wirksam genug erscheint, kann auch die komplette Pflanze in einem Mixer mit etwas Wasser zu Brei zerkleinert und diesen Brei auf die entsprechenden Stellen auftragen werden.

Geschichte und Brauchtum:
Es war einmal ein alter Löwe, der hatte keine Zähne mehr. Er ging wie alle anderen Löwen auf die Jagd, machte aber wegen der fehlenden Zähne keine Beute mehr. So blieb ihm wohl oder übel nichts anderes übrig, als sich von Beeren und feinen Kräutern zu ernähren, was ihm aber sehr widersprach.
Eines Tages fand er bei einem Gang im Wald einen Zahn und er dachte sofort, dass ihm dieser eine spitzige und scharfe Zahn wohl helfen könnte.
Er sprach den auf dem Waldboden liegenden Zahn an und machte ihm einen Vorschlag: «Treffen wir eine Abmachung», sagte der alte, zahnlose Löwe. «Du hilfst mir beim Jagen, Beute fangen und beim Beissen und bekommst dafür die Hälfte meiner erjagten Beute». Da der auf dem Waldboden liegende Zahn nicht laufen konnte, waren sich die Beiden einig und wurden nun ein gutes und aufeinander angewiesenes Paar. Ein weiser Zauberer machte aus dem alten Löwen und dem Zahn eine Wildstaude, welche fortan Löwenzahn hiess und noch heute zahlreich auf unseren Wiesen als essbare Wildpflanze wächst.
Wie bei allen Märchen und Fabeln, welche teilweise seit alters her überliefert wurden, findet sich auch hier viel Wahrheit und Weisheit.
In der chinesischen Medizin wird die Pflanze seit dem 7. Jahrhundert nach Christus erwähnt, während sie in Schriften des Abendlandes erstmals um 1485 auftaucht.

Andere Anwendungen:
In der Volksmedizin gehört die Frühjahrskur mit Löwenzahn Frischpresssaft zur „Entschlackung“ zu einer weit verbreiteten Anwendung. Nach einer vier wöchigen Kur mit Löwenzahnsaft fühlt man sich „verjüngt“.
Weiter wird er in der Volksmedizin bei Gicht, Rheuma, Ekzemen und anderen Hauterkrankungen verwendet. Wurzeltee wird aufgrund des hohen Inulingehaltes bei Diabetes empfohlen.

Rezepte

In der Heilkunde:

Verdauungstropfen
Zutaten:

  • Minzblätter (wahlweise frisch oder getrocknet)
  • Ingwerwurzel
  • Fenchelsamen
  • Löwenzahnwurzel
  • Doppelkorn oder Wodka

Von den Kräutern nimmt man jeweils gleich viel, legt sie in ein verschliessbares Glas und bedeckt die Kräuter mit dem Schnaps. Nun stellt man das Glas für ca. 4 Wochen am Besten an die Sonne. Danach wird die Flüssigkeit abgeseiht und in eine Flasche (Tropfflasche) abgefüllt.
Diese Verdauungstropfen helfen gegen verschiedene Arten von Verdauungsbeschwerden, beispielsweise Völlegefühl, leichte Übelkeit oder Darmträgheit.
Bei Bedarf nimmt man 10-50 Tropfen. Wenn man einen empfindlichen Magen hat, verdünnt man sie am besten mit Wasser.

In der Küche:

Die jungen Blätter des Löwenzahns sind im Frühjahr eine Delikatesse, welche man jedem Frühlingssalat beifügen kann. Die fein geschnittenen Blätter eignen sich gut als Gewürzbeilage in Suppen, Fonds, aber auch zu Wildgemüsegerichten.
Die kleinen Blütenknospen lassen sich wie Kapern einlegen und können so sehr gut zu Kräuterquark und in würzigen Brotaufstrichen verwendet werden.
Löwenzahngelee oder Honig nach altem Hausfrauenrezept hergestellt, diese süsse Abwechslung im Speiseplan liess früher manch Kinderaugen leuchten.
Ein Blütenwein oder auch ein Löwenzahnsirup runden die sonnige Kraft dieser leuchtenden gelben Blüten ab.
Die Wurzeln dienen zum Aromatisieren von Bier und alkoholfreien Getränken, sowie von Kräutertonika.

Kartoffelsalat mit Löwenzahn
Für 4 Personen

  • 800 g festkochende Kartoffeln

Kartoffeln im Dampfkochtopf garen. Die Kartoffel warm schälen, in Scheiben schneiden, in die Salatschüssel geben.

Vinaigrette

  • 1 dl heisses Wasser
  • 1 1⁄2 TL Bouillonpaste oder -pulver
  • 2 EL Weissweinessig
  • 2 EL Aceto balsamico bianco
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 EL Zitronenolivenöl
  • 1 Zwiebel
  • 5 Radieschen
  • 2–3 Büschel Löwenzahn

Die Bouillon im heissen Wasser auflösen.
Weissweinessig, Aceto balsmico bianco, Olivenöl und Zitronenolivenöl zur Bouillon geben.
Zusammen verquirlen.
Die Zwiebel fein hacken. Die Radieschen in kleine Würfel schneiden.
Den Löwenzahn waschen, in Streifen schneiden und zu den Kartoffelscheiben geben.
Die Zwiebeln und die Radieschen in die Vinaigrette geben.
Die Vinaigrette über die Kartoffelscheiben giessen und umrühren.